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Chancen und Tücken der Digitalisierung des Lehrerzimmers


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Patrik Torwesten

Patrik Torwesten, Fachlehrer Latein/Biologie am Christian-Rohlfs-Gymnasium, Hagen

Das Lehrerzimmer besitzt eine Vielzahl herrlicher Funktionen. Es ist zuoberst das Refugium der Kolleginnen und Kollegen, die sich nach einem (anstrengenden) Bad in der Schülermenge mit Gleichgesinnten auf einen Kaffee treffen können, gewissermaßen ein locus amoenus, an dem sie ungestört von lauschenden Schülerohren ihr Innerstes nach außen kehren können. Es ist aber daneben auch der Ort, an dem die meiste Verwaltung und Kommunikation über schulorganisatorische Belange zwischen den Kolleginnen und Kollegen läuft.


Als wir vor zwei Jahren das itslearning-LMS an unserer Schule eingeführt hatten, war natürlich sofort die Idee da, dass wir unserem analogen Lehrerzimmer ein digitales Äquivalent kreieren. Die damit verbundenen Hoffnungen waren groß: „Du kannst die wichtigsten Nachrichten, Aushänge und Mitteilungen jetzt bequem über dein Handy einsehen.“ „Wie oft standest du schon vor dem schwarzen Brett und konntest veraltete Nachrichten nicht mehr von neuen unterscheiden? Das wird mit itslearning ganz anders! Da hast du immer die neusten Nachrichten ganz oben in deiner Anzeigeleiste.“ Es wird effizienter, übersichtlicher, bequemer… einfach in jeder Hinsicht besser! Und das ist es auch… wenn man ein paar Punkte beachtet, wie wir durch Erfahrung lernen mussten und müssen. Doch der Reihe nach:

Frage 1: Wer kommt rein?

Wer enthält Zugang zum digitalen Lehrerzimmer? Diese Frage stand bei uns natürlich auch ganz am Anfang. Sollen nur die unterrichtenden Lehrerinnen und Lehrer in diesem Kurs sein? Was ist mit der Schulleitung? Und was ist mit den Verwaltungsmitarbeitern und -helfern (Sekretariat, Hausmeister, Bundesfreiwilligendienstler „Bufdi“)? Mit dieser Frage entscheidet sich ganz klar die Ausrichtung des digitalen Lehrerzimmers. Wir haben uns gefragt, was unser digitales Lehrerzimmer eigentlich bezwecken soll. Die Antwort war einfach: Kommunikationswege abseits der Schüler verkürzen, Laufwege zu Formularen (meist aus dem Sekretariat) eliminieren, offizielle Aushänge zentral und schnell zugänglich machen, ohne den Überblick zu verlieren. Daher entschieden wir uns dazu, dass unser digitales Lehrerzimmer alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Schulgemeinschaft beinhalten muss, ausgehend von den Lehrerinnen und Lehrern über die Schulleitung bis hin zu den Verwaltungskräften des Sekretariats und dem Hausmeister.

„Das digitale Lehrerzimmer vereinfacht das Tagesgeschäft enorm. Ich habe einen schnelleren Einblick in Klausurpläne, eine klarere Übersicht über anstehende Termine und kann jede Kollegin und jeden Kollegen schneller und mit viel weniger Aufwand erreichen als vorher.“

Justus Wingenfeld, Lehrer für Deutsch und Geschichte, Beauftragter für Praxissemesterstudierende

Es hat sich bis zum heutigen Tage sogar als sehr nützlich erwiesen die jährlich wechselnden Bufdis mit einem eigenen Account zu versehen. Auf diesem Wege kommen Nachrichten in jeder Richtung schnell ans Ziel und idealerweise auch nur an diejenigen, die die jeweiligen Nachrichten betreffen. Dies brachte uns direkt zu unserer nächsten Überlegung.

Frage 2: Wie gestalten wir effiziente Kommunikation?

Mitteilungen, Kommentare, Nachrichten? Die Gestaltung effizienter Kommunikation, also dem Verbreiten von Informationen, die möglichst wenig „Desinteressenten“ trifft, ist aus der Erfahrung unseres Kollegiums nach mit Sicherheit der langwierigste Prozess und es wäre utopisch zu behaupten, dieser sei nach zwei Jahren Nutzung schon überwunden geschweige denn über dem Berg. Drei Aspekte erscheinen uns als enorm hilfreiche Stellschrauben, die bei einer Einführung des Kollegiums in itslearning frühzeitig angesprochen werden sollten.

1. Mitteilungen mit Betreff

Mitteilungen sollten einen Betreff enthalten. Dadurch ist es möglich, auch bei älteren Mitteilungen sofort die für mich relevanten herauszufiltern (Ggf. auch über die Suchfunktion des Browsers).

2. Mitteilungen mit Deaktivierung

Mitteilungen sollten eine eingestellte Deaktivierung haben, wenn es möglich ist. Gerade Mitteilungen, die sich auf bestimmte Events beziehen, sind nach diesen Events meist völlig irrelevant. Wenn sie dann aus der Anzeige verschwinden, ist der Übersichtlichkeit sehr geholfen.

Abb. 1: Kurzfristige Mitteilung der SV: Betreffzeile, klare Event-Mitteilung mit anschließender Deaktivierung, verwaltungstechnische Absprachen über fehlende Schülerinnen und Schüler über kurzen Kommunikationsweg

3. Mitteilungen für Teile des Kollegiums

Mitteilungen, die nur einen kleinen Teil des Kollegiums betreffen, sollten – wenn es sich nach Art der Information anbietet – über eine Nachricht (Chatfenster) versendet werden. Hierfür kann man am Anfang des Schuljahres voraussichtlich relevante Kursgruppen erstellen (z.B. Kolleginnen und Kollegen einer bestimmten Jahrgangsstufe/Klasse). Klingt nach viel Arbeit? Ja, das ist es, aber es lohnt sich (Ist an unserer Schule im Übrigen eine Aufgabe der Bufdis, die diese Listen im Falle eines Lehrerwechsels auch pflegen).

Frage 3: Wie organisieren wir unsere Ressourcen?

Eine weitere Hoffnung, die wir mit der Installierung eines digitalen Lehrerzimmers hatten, war die einfache Zugänglichkeit zu Dokumenten/Dateien/Links, die wir im Schulalltag mal häufiger mal weniger häufig benötigen. Auch hier mussten wir sehr schnell feststellen, dass es ohne Organisation nicht geht.

Abb. 2: Ressourcenpool ohne Ordnung – so geht’s nicht…

Unser 7-Ordner-System

Nach einiger Zeit, in der die Kolleginnen und Kollegen ihre Dateien mehr oder weniger strukturlos in die Ressourcen gestellt haben, entschieden wir uns für das 7-Ordner-System, um die einzelnen Dateien schnell auffindbar zu machen. Das 7-Ordner-System sieht vor, dass es auf jeder Ordner-Hierarchieebene maximal sieben Ordner gibt. An Hierarchien sollte es nicht mehr als drei geben, sodass insgesamt eine Zahl von 73=343 Ordner herausspringt, deren Navigation sich im Idealfall allerdings intuitiv ergibt. So ist man mit maximal drei Klicks bei gleichzeitig maximaler Übersichtlichkeit bei seinem Zieldokument angelangt.


Abb. 3a: Das 7-Ordner-System in der ersten Hierarchie


Abb. 3b: Das 7-Ordner-System in der zweiten Hierarchie

Dieses System erfordert aber ebenfalls stete Pflege durch die Administratoren. So sollten diese regelmäßig „Irrläufer“ oder „Ordner-Waisen“ korrekt den Ordnern zuordnen und kryptische Dateinamen in sinnvolle abändern, damit auch die Suchfunktion der Ressourcen genutzt werden kann.

Frage 4: Was kann itslearning alles für unser Lehrerzimmer tun? Wie setzen wir es möglichst schnell um?

itslearning kann für unser digitales Lehrerzimmer eine ganze Menge mehr tun als das oben Beschriebene. Im Augenblick arbeiten wir daran, die Kalenderfunktion zu implementieren und Raumbuchungen über diese Funktion zu ermöglichen. Der Planer liefert ebenfalls noch viele kleine Schätze, die ein gemeinsames Arbeiten im digitalen Lehrerzimmer enorm vereinfachen.


Abb. 4: Bietet viel Potential: Der Planer im digitalen Lehrerzimmer, die Weiterentwicklung sollte sich als Teil eines organischen Prozesses begreifen, Welche Funktionen wann eingeführt werden, ist von Schule zu Schule unterschiedlich.

Allerdings muss immer beachtet werden, dass die Entwicklung eines digitalen Lehrerzimmers ein langer Prozess ist. Da eine Vielzahl an Kolleginnen und Kollegen involviert ist, ist es wichtig, diese Entwicklung als einen gemeinsamen organischen Prozess anzusehen. Der Mut, diese Entwicklung als langfristigen Prozess anzuerkennen, sollte vorhanden sein, um das Projekt ‚digitales Lehrerzimmer in itslearning’ dauerhaft auf stabile Beine zu stellen. Und für diese Prozessarbeit ist nicht zuletzt auch der gemeinsame Kaffee im analogen Raum eine sehr gute Basis…

„Im Community-Webinar Features im Fokus, am Dienstag, den 25. Februar, erhoffe ich mir Einblicke in den aktuellen Stand der digitalen Lehrerzimmer an anderen Schulen. Der Vergleich soll mir zeigen, wie der Entwicklungsprozess in anderen Kollegien bis hierhin verlaufen ist und natürlich Impulse geben für die Weiterentwicklung des eigenen digitalen Lehrerzimmers. Häufig ist nichts so hilfreich wie der Blick über den eigenen Tellerrand.

Patrik Torwesten


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